Kommentar: Fertighaus auf Chinesisch

Zumindest wenn es nach dem chinesischen Ingenieur Ma Yihe geht. Diesem benötigte der Bau eines gegossenen Fertighauses noch zu lang, weshalb er einen 3D-Drucker konstruierte, der Häuserteile ausspuckt. Diese eindrucksvolle Maschine soll nichts weniger sein, als eine Revolution des Bauwesens. Hört sich bekannt an? Ach ja, das Fertighaus! Dieses sollte ebenfalls die Bauindustrie revolutionieren. Tatsächlich boomte der Markt in den 1960er Jahren, bis die deutschen Bauherren bemerkten, dass Fertighäuser irgendwie immer gleich aussehen.

In anderen Regionen der Welt scheint man jedoch nicht so viel Wert auf Individualismus zu legen wie in Deutschland. So hat Ägypten bereits 20.000 Häuser bei Yihe bestellt. Alle genau gleich und alle aus der wirklichen Innovation hinter dem Konzept: Dem Werkstoff. Das Crazy Magic Stone genannte Material besteht aus einem Gemisch aus schnell härtendem Zement, gemahlenem Bauschutt, Glas und Industrieabfällen. Wo Beton zwei bis drei Tage trocknen muss, ist Crazy Magic Stone schon kurz nach der Verarbeitung fest. Wobei "fest" nicht bedeutet, dass die Wände auch widerstandsfähig sind.

Darüber hinaus stellt sich die Frage, wer in einem Haus leben will, in dem Industrieabfälle verarbeitet wurden. Ich zumindest nicht. Daher stehe ich dem Eigenheim aus dem 3D-Drucker skeptisch gegenüber. Es bleibt abzuwarten, was aus dem Konzept wird, wenn der erste Hype verfolgen ist. Ich behaupte: Nicht allzu viel, denn eine echte Innovation fehlt.

Peter Christian

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